Sonntag, 11. Januar 2015

Der Islam in der Zukunft

In den ersten Jahrzehnten des 7. Jahrhunderts ist der Islam auf der Arabischen Halbinsel entstanden. Vor ca. 1405 Jahren hat der Prophet Mohammed die göttliche Offenbarung empfangen und sie zu Papier bebracht. Sein Inhalt ist bis zum heutigen Zeitpunkt unverändert und gilt als unantastbar. Das daraus resultierende Problem ist, dass der Koran Antworten auf Strukturen des gesellschaftlichen Zusammenlebens beinhaltet, die in seiner wortwörtlichen Auslegung nicht auf das 21. Jahrhundert anwendbar sind. Es wird Zeit einen innerislamischen Auslegungsstreit auszufechten.
   
Der Koran muss sich den Gegebenheiten der Moderne anpassen. Er sollte neu ausgelegt (zumindest in den Suren, die zur Gewalt aufrufen und auf die sich militante Fundamentalisten und Gläubige berufen) werden. Keine der anderen Religionen hat sich aus intrinsischen Motiven demokratisiert. Das Christentum wurde beispielhaft von kritischen Menschen in der Zeit der Aufklärung entmachtet, sodass heute von Säkularisierung und Pluralismus gesprochen werden kann. Aus dieser abzuleitenden Analyse hat das Alte Testament in seiner apokalyptischen Bedeutung einen untergeordneten respektive nicht mehr wahrnehmbaren Verständniswert in der westlichen Gesellschaft.

Der Politikwissenschaftler Abdel El-Husseini vertritt in diesem Kontext die Meinung, dass die Anschläge in Paris mit dem Islam zu tun haben, jedoch nicht als der Islam zu verstehen sind. Seine Aussage macht dahin gehend eine Neuauslegung unumkehrbar. Eine reaktionäre und gewaltverherrlichende Deutung wird durch theologisch-tyrannische Regime instrumentalisiert, denen eine Individualisierung der Person zu eigenverantwortlichen und kritischem Denken entgegensteht. Mit kritischem Denken lässt sich nun mal keine absolute Macht festigen.

In der Arabischen Welt gibt es durchaus progressive Kräfte, die für eine Reformierung des Korans eintreten. Leider sind diese Bewegungen eher als marginal einzustufen und werden überwiegend als ein abtrünniger Personenkreis behandelt, der mit dem Tod bedroht ist. In Zukunft muss es ein Ziel sein, dass derartige (unantastbare) Dogmen aus dem historischen Kontext gerissen und in einem zeitgemäßen Diskurs radikal behandelt werden. 

Es kann nicht sein, dass das Königreich Saudi-Arabien die Anschläge auf Charlie Hebdo als einen „feigen Terrorakt, der gegen den wahren Islam verstößt“ bezeichnet, einen Tag später jedoch einen Blogger auspeitschen lässt, weil er den Islam beleidigt hat. Diese der westlichen Kultur entgegenstehende Asymmetrie ist zu exemplarisch, als das man sie durch Beschwichtigungen beiseite wischen könnte.

Diese Herauswurzelung ist nur von den Muslimen selbst zu bewerkstelligen. Hierbei sind alle Imame, Islamverbände, Islamwissenschaftler und andere theologische Verantwortlichkeiten gefragt. Durch einen schmerzhaften Diskurs wären sie in der Lage diesen aufklärerischen Prozess voranzutreiben. Eine andere Alternative gibt es nicht, da der Gros aller Muslime einer friedlichen und verantwortungsbewussten Existenz zugewandt ist. Somit liegt es in ihren Kräften, den nötigen Druck aufzubauen.

Eine entsprechende Säkularisierung und die damit einhergehende Entkopplung des Islams aus allen gesellschaftlichen Belangen wäre ein zweiter Schritt, um der Vorstellung eines Kalifats, „in dem die Scharia durchgesetzt wird“, entgegenzuwirken. Nur so ließe sich dem metastatisch ausbreitenden Terrorismus auf langer Sicht der Nährboden entziehen.   

Ja, es wäre ein zeitintensiver Prozess den Kult des Heiligen als das zu bezeichnen, was er in der nicht beschönigenden Realität für alle Menschen ist: „eine Gefahr für die Freiheit des Denkens.“

Freitag, 9. Januar 2015

Der schwarze Mittwoch (07. Januar 2015)

Joachim Roncin
Zwei Tage nach dem Verbrechen gegen die zivilisierte Welt bleibt die Tat unfassbar. 12 Menschen sind getötet worden. Doch ist es nicht nur die Tragödie beim Satireblatt Charlie Hebdo, nein, es sind die zahlreichen Blutbäder, die in den weit entfernten Gegenden der Welt im Namen des Islam begangen werden. Hat dies alles wirklich nichts mit dem Islam zu tun und hilft unserer Demokratie tatsächlich eine falsch verstandene Toleranz gegenüber solchen faschistischen Meinungsbildern, die doch gerade dazu taugen Demokratie abzuschaffen?

Ja, es ist eine unerfreuliche Diskussion, die schon lange, lange vorher hätte geführt werden müssen. Wir haben keine andere Wahl, es sei denn, wir kapitulieren und lassen uns diktieren, was wir zu lesen, sehen und zu denken haben.

Seit geraumer Zeit macht sich eine latente und unangenehme Ahnung bemerkbar. Eine entsprechende Lesart, und zwar, dass der Islam eine Religion des Friedens sei, scheint immer mehr fraglich zu sein. Allzu deutlich sprechen die Ereignisse eine andere Sprache. „Zuletzt in Sydney in einem Café, vorher in England, wozwei Attentäter einen Soldaten auf offener Straße mit einem Schlachtbeilregelrecht zerhackt haben. Die grauenhaften […] Massaker des so genannten Islamischen Staates in Syrien und im Irak, der Terroranschlag auf Busse und die U-Bahn in London.“ Es fällt mir schwer zu glauben, dies alles habe nichts mit dem Islam zu tun, beziehen sich doch alle Fundamentalisten auf den wortwörtlichen Koran und das im Namen des Propheten Mohammed.  

Anstatt sich dieser Realität zu stellen wird peinlichst darauf geachtet zwischen Islam und Islamismus zu separieren. Komisch ist nur, dass immer dann, wenn der Islam oder der Prophet durch Karikaturen oder Inszenierungen dargestellt wurde, die gefühlte Gemeinschaft der Muslime sich beleidigt empfand, sobald jedoch gläubige Fanatiker detonierten oder anderen Menschen die Köpfe abschnitten, dies mit dem Islam auf einmal nichts zu tun hatte.

Hilft es uns da weiter, wenn man so wie es Yasmin Fahimi, die Generalsekretärin der SPD, vorgeschlagen hat, den Begriff Islamischer Staat zu verbannen, da er doch die Gefühle der Muslime verletzt? Warum kam nur niemand auf die Idee zu sagen, dass es nicht der Begriff an sich ist, der hier Gefühle verletzt, sondern all die fürchterlichen Taten der IS?

Der Islam hat seit geraumer Zeit in gewaltiges Imageproblem. Er verleitet ganz offenbar arme, reiche, ungebildete und gebildete Menschen dazu, und das mehr als jede andere Religion zurzeit, in Namen der Religion zu töten. Das macht mir Sorgen und verleitet mich zur unangenehmen Vermutung, dass etwas mit dieser Religion nicht stimmt. Ein Glaube, der „das Verbrennen des heiligen Buchs als Todsünde bewertet, jedoch das Steinigen von Menschen nicht, hat ganz andere Probleme.“

Vielleicht ist das, was sich in Paris ereignet hat als ein Weckruf zu verstehen, der der westlichen Welt die Porosität der Meinungsfreiheit auf barbarische Art und Weise vorgeführt hat. Es ist an der Zeit, dass sich die Gemeinschaft der liberalen Moslems in Europa zu den westlichen Werten der Demokratie bekennt, um sich von der gewaltbereiten Minderheit in deren eigenen Reihe abzukapseln.

Hierbei reicht es aber nicht, nur „ein paar lauwarme Beileidsbekundungen zu formulieren. Sie müssen das Gesindel in ihrer Mitte ächten […]. Es müssen die Moslems selbst sein, die die Fanatiker […] vertreiben, wenn sie versuchen, Jugendliche für Mörderbanden zu rekrutieren. Die Moslems selbst müssen die aufgeblasenen Idioten aus dem Gasthaus jagen, die als selbst ernannte „Scharia-Polizei“ Frauen drangsalieren, wenn sie kein Kopftuch tragen. Es müssen die Moslems selbst sein, die bei der Polizei Bescheid sagen, wenn ein Irrer in der Moschee zum „heiligen Krieg“ aufruft. Es ist an der Zeit, dass die Moslems in Deutschland entscheiden, wohin sie gehören. Und sie müssen die Entscheidung auch durch konkretes Handeln belegen“, den sie, die friedliebenden Moslems sind es die zu Deutschland gehören und nicht das intolerante und abgefuckte Gesindel.

„Die Attentäter haben heute verkündet, dass Charlie Hebdo tot sei. […]. Sie haben unrecht. Heute, morgen, in Frankreich und rund um die Welt wird die Kraft der freien Meinungsäußerung im Kampf gegen die Feinde der Aufklärung obsiegen."

Jeder, der sich nicht mit Charlie Hebdo und jeden Menschen, der wegen andersartiger Meinungen verfolgt und zum Abschuss freigegeben worden ist, solidarisiert, verweigert sich der Errungenschaften der Aufklärung. Man darf hinsichtlich der Mohammedkarikaturen aus dem Jahr 2005 nicht vergessen, dass der Westen den fundamentalen Fehler zugelassen hat, religiöse Gefühle oft über die Meinungsfreiheit zu stellen. Die Schere im Kopf ist allgegenwärtig. Doch sind es gerade diese verletzten Gefühle, die als Vorwand genommen werden, um unsere Meinungsfreiheit zu vernichten und daher ist die beste „Antwort auf diese barbarische Tat das Versprechen, Redefreiheit gegen jeden Angriff zu verteidigen“ – ohne Wenn und Aber! Es lebe Charlie Hebdo, es lebe die Freiheit!

Freitag, 14. März 2014

Auf eine Flipette mit Tedy Flipstone (Teil 10)

Guten Tag, Herr Flipstone.
Ja, Ihnen auch.

Lassen Sie uns heute über Thilo Sarrazin und Christian Wulff sprechen.
Wie sie meinen.

Thilo Sarrazin ist wieder mit einem neuen Buch in aller Munde. „Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland“ lautet der Titel. Wird es wieder eine solche Empörung wie mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ geben?
Nun, ich muss einräumen, dass ich das Buch noch nicht gelesen habe. Eine dezidierte Stellungnahme werden Sie insofern von mir nicht erwarten können. Ich bin da noch alte Schule. Bevor ich mir eine Meinung bilde, beschäftige ich mich erst mal mit dem Gegenstand der Thematik. Doch zurück zu ihrer Frage. Die mediale Empörung ist schnell verebbt. Zwar löst das Benennen seines Namens nach wie vor Schnappatmung aus, aber das war’s dann wohl auch. Eine Auffälligkeit im Vergleich zu „Deutschland schafft sich ab“ gab es aber doch. Bevor sein aktuelles Buch erschienen ist, gab es vorab ein halbes Dutzend Rezensionen, die das Buch in Grund und Boden verdammt haben. Wohlgemerkt, ohne den Inhalt zu kennen!

Sarrazin sollte kürzlich im Berliner Theater-Foyer Bertolt Brechts aus seinem neuen Buch lesen und diskutieren. Doch dazu kam es nicht, da Demonstranten die Veranstaltung störten und dafür sorgten, dass es zum Abbruch kam.
Die Aktion im Theater-Foyer ist mir durch die Medien bekannt und die bei Youtube eingestellten Videos zur Veranstaltung habe ich mir in diesem Zusammenhang ebenfalls angesehen. Die ganze Gegenveranstaltung der Demonstranten war einfach lächerlich.

Warum lächerlich? Jeder hat doch das Recht zu demonstrieren.  
Sicherlich, aber diese aggressiv aufgeladene Selbstgerechtigkeit schien mir in diesem Kontext doch recht aufgeblasen zu sein. Warum haben Sie sich nicht mit Sarrazin und seinen Thesen in einem Diskurs auseinandergesetzt? Es kann doch nicht sein, dass nur, weil jemand eine andere Meinung vertritt, nicht lesen und diskutieren darf. Sehen Sie, das Ideal, das die Demonstranten vertreten haben, erinnerte mich eher an die Absicht von Fundamentalisten, die ebenfalls nicht zum Diskurs bereit sind, sondern lieber diejenigen ausschalten, die andere Meinungen vertreten.

Sie meinen, die Demonstranten hätten sich einer offenen Diskussion stellen müssen?
Ja, was denn sonst. Wahrscheinlich reichte deren geistiger Horizont nicht so weit. Ihnen wurde ja sogar eine Beteiligung an der Diskussion angeboten. Sie haben sie jedoch verweigert und erigierten sich lieber in einer plumpen Attitüde als sich zu vergegenwärtigen, dass in einer Demokratie auch öffentlich gestritten werden darf! 

Wie hätten die Verantwortlichen des Theaters Ihrer Meinung nach mit den Demonstranten umgehen sollen?

Man hätte sie des Hauses verweisen müssen. Anstatt die Meinungsfreiheit zu verteidigen, ist die Verantwortliche, Jutta Ferber, im vorauseilenden Gehorsam vor dem Mob in die Knie gegangen, was zur Folge hatte, dass Sarrazin gehen musste und die zahlenden Gäste doof aus der Wäsche geschaut haben. Das wäre ja so, als wenn ein paar Dahergelaufene sich einbildeten, ein Fußballspiel von Borussia Dortmund zu stören, nur weil man sich Schalke zugehörig fühlt. Einfach grotesk, zumal Frau Ferber aus lauter Hilflosigkeit auch noch auf die dämliche Idee kam das zahlende Publikum über den Diskurs mit Sarrazin abstimmen zu lassen.    

Aber ein Rauswurf war nicht mit der Tradition von Bertolt Brecht vereinbar.

So etwas ist absurd und so weit ich weiß, ganz und gar nicht im Sinne von Brecht. Ich meine nicht, dass sich Brecht einen solchen Meinungsterror gebeugt hätte. Brecht selbst war ein Verfechter von starken und polemischen Meinungen, immerhin hat er Lenin verherrlicht. Das haben die Demonstranten wohl nicht erkannt. 

Sehen Sie Sarrazins These durch diese Aktion bestätigt?
Eindeutig ja. Das hat Frau Ferber auch wortwörtlich gemeint, als sie sagte, dass man sich dem Meinungsterror gebeugt hatte. Schaut man sich bestimmte Debatten in der Vergangenheit an, so fällt auf, dass ein vorherrschender Konformismus einer offenen und sachlichen Diskurskultur abträglich ist. So ist es nur ein Leichtes, Abweichler zu denunzieren.    

Haben Sie den Kommentar des Berliner SPD-Landesvorsitzenden Jan Stöß gelesen, der den Rauswurf Sarrazins begrüßt hatte?
So ein hohles und schleimiges Geschwätz. Da wollte er sich wohl einer Gemeinschaft angehörig fühlen, die die Welt aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet und nichts anderes gelten lässt. Vermutlich hätte er Sarrazins Buch am liebsten auch noch verbrannt.

Was hätten Sie den Demonstranten gesagt?
Dass ihr primitiver Aktionismus und ihre geistige Unbeweglichkeit einfach inakzeptabel sind. So ein Verhalten hat absolut nichts mit Demokratie zu tun. Sie sollten mal einen Blick in Richtung Türkei werfen und Erdogans angestrebtem Vorhaben, Facebook und YouTube zu verbieten, in diesem Zusammenhang sehen. 

Sehen Sie Sarrazin als Opfer der Medien?
Ach was. Er hat nun mal einen recht sensiblen Nerv getroffen, den er ohne Umwege frontal zu benennen weiß. So etwas muss in unserer Gesellschaft auszuhalten sein und sowohl sachlich als auch polemisch kritisiert werden können. Außerdem: Wer austeilt, muss auch einstecken können, eine Disziplin, die Sarrazin mehr als nur zu gut unter Beweis gestellt hat.

Christian Wulff ist ja kürzlich vom Vorwurf der Vorteilsnahme freigesprochen worden. Meinen Sie, dass er somit rehabilitiert ist und dass sich das auch so in den Medien widerspiegeln wird?

Nein! Korrekterweise müssten sich diejenigen, die ihn vorschnell vorverurteilt haben, bei ihm entschuldigen. Aber so ein Verhalten ist wohl nicht zu erwarten. Wenn ich mir vorstelle, wie sich mancher Kritiker wohl unter derselben medialen von Hetze gezeichneten Skandalisierung gefühlt hätte. Wahrscheinlich wäre er nach einer Woche kläglich zusammengebrochen. 

Soweit ich mich erinnere, haben Sie Wulff in einem Ihrer Berichte auch nicht mit Samthandschuhen angefasst!

Das stimmt. Fairerweise muss ich bekennen, dass ich mich geirrt habe und dass es nicht richtig war! Sorry, Herr Wulff.

Samstag, 15. Februar 2014

Point of no Return

Die Europäische Union hat sich vom eigentlichen Grundgedanken, wie sie ihn sich die Gründungsväter vorgestellt haben, meilenweit entfernt. Vielmehr hat sich dieser Leitgedanke in eine Bevormundungskampagne gewandelt, in denen sich ihre Bürger so nicht mehr wiedererkennen. Mittlerweile kulminiert sich der Protest in die Frage, wie viel Europa die Nationen tatsächlich vertragen?

Die Idee der Europäischen Union war von zwei Grundgedanken motiviert, zum einen, dass die Besinnung auf den Nationalgedanken zu „Egoismus, Feindschaft und Katastrophen“ führt und zum anderen, dass Nationen, sobald sie ihre Entscheidungsbefugnisse einer „überstaatlichen Instanz überlassen“ an Souveränität, Völkerverständigung und Frieden gewinnen. 

Inzwischen hat sich die EU zu einer monströsen Instanz aufgebläht, die sich locker mit sich selbst beschäftigen könnte. Man schaue sich nur das Kabinett von Martin Schulz, den Präsidenten des Europäischen Parlaments, an: Es besteht „aus fast 40 Mitarbeitern, einem Chef des Kabinetts und einem Stellvertretenden Chef des Kabinetts, die ihrerseits über acht Assistenten und Berater verfügen.“ Das ist noch nicht alles. „Hinzu kommen fünf Berater und Assistenten, die für das Protokoll und den Terminkalender des Präsidenten zuständig sind, fünf Assistenten und Berater in der Abteilung „Innere“ und sechs in der Abteilung „Äußere Angelegenheiten“. Nicht schlecht!
    
Für die im Mai stattfindenden Europawahlen steht fest, dass sämtliche Protestparteien einen nicht zu unterschätzenden Aufschub erfahren werden. Die Volksabstimmung in der Schweiz führte den Brüsseler Parlamentariern und Kommissaren jüngst vor, dass Protest selbst in einer alten Demokratie eine Mehrheit darstellen kann. Schon der letzte Bundestagswahlkampf zeigte am Beispiel der Grünen, wohin sie ein besoffener Bevormundungstrip hingeführt hat.

Diese von den Bürgern kritisierte Bevormundung und „Übereglementierung“ hat längst erkannt, „dass sich eine politische Sozialstaatsindustrie zur eigenen Bereicherung etabliert hat und sich damit vor allem ihre Posten selber schafft.“ Losungen, die den Europäern vorschreiben, wie und was sie essen, wie sie saugen, wie lange sie klimaneutral duschen und was sie kaufen sollen, vor allem wie viel „Wasser ihre Toilettenspülungen verbrauchen dürfen“ und wie viel politisch korrekte Kritik an Europa zulässig ist, drängen sich dem Bürger wie eine Art Zwangsjacke auf, die er nicht mehr anziehen möchte. 

Vielleicht würde es den Herrschaften in Brüssel besser zu Gesicht stehen, diesen Unmut auch mal Ernst zu nehmen, anstatt ihren Wählern dogmatisch vor die Haustür zu kacken.

Liebe EU: Eine Erschütterung der Macht, die ihr als Anti-Europa-Stimmung wahrnehmt, ist nicht gegen Europa an sich gerichtet, nein, sie hat nur die Schnauze voll von eurer bornierten Selbstgefälligkeit.Wie sagte Martin Schulz in einem Interview: „Wäre die EU ein Staat und würde einen Antrag zum Beitritt in die Europäische Union stellen, dann würde der Antrag abgelehnt. Mangels demokratischer Substanz.“

Mittwoch, 5. Februar 2014

Europa saugt am Rohr

Was ist der Unterschied zwischen Angela Merkels Europapolitik, der Glühbirne und dem Staubsauger? Die EU-Politik scheint alternativlos zu sein, die Glühbirne und das Haushaltsgerät nicht. Merkels Politik ist par ordre du mufti ohne jegliche Alternative, denn, „scheitert der Euro, dann scheitert Europa.“ Die Glühbirne hingegen wurde durch die EU verboten und durch das Alternativleuchtmittel der Energiesparlampe ersetzt. Dem Staubsauger soll es in Zukunft ähnlich ergehen.

Im September 2012 wurde die konventionelle Glühbirne durch die mit gesundheitsschädlichem Quecksilber versehene Energiesparlampe ersetzt. Zwei Jahre später wird es im September wieder so weit sein: Staubsauger mit mehr als 1600 Watt dürfen nicht mehr verkauft werden und sollen ab 2017 gänzlich verboten werden. Zudem soll ihre Leistung auf 75% gemindert werden.

Für den Hersteller Miele ist es keine erfreuliche Nachricht, hat er doch gerade einen großen Teil seiner Modelle „auf jene maximalen 1600 Watt“ umgebaut. Das ist doch ein Scherz, mag sich der disponierte Leser denken. Doch diese Meldung entstammt nicht einer geistig umnebelten Fantasie des Autors und ist ebenso wenig eines zutage tretenden Antiintellektualismus zuzuschreiben, der beim morgendlichen Toilettengang in die Schüssel plumpst, nein, sie versinnbildlicht den kraftvollen Tatendrang der EU!

Der Weg dieser Einigung war lang, sehr lang! Er hat 12 Jahre gedauert, bis sich die EU-Kommission „mit den europäischen Haushaltsgeräteherstellern […] geeinigt hat.“12 Jahre ist eine sehr lange Zeit. Man mag sich rückblickend ins Gedächtnis rufen, dass es in derselben Zeit einem übel gelaunten Österreicher gelungen ist, die ganze Welt zu ruinieren. Ob dieser Protagonist allerdings mit nur 75% seines Enthusiasmus bei der Sache war, mag angesichts der erschütternden Zäsur bezweifelt werden. 

Der Geschäftsführer des Zentralverbands Elektrotechnik und Elektronikindustrie, Werner Scholz, war Verhandlungspartner und beklagte die Schwierigkeit der einzusetzenden Messverfahren, die es so nicht gab und daher neu entwickelt werden mussten. So schaffte man sich Probleme, die man vorher nicht hatte – eine wahre europäische Glanzleistung komplexer Beglückungsmaßnahmen! Da kann man sich als Bürger einer „Friedensnobelpreisträgergemeinschaft“ mal so richtig entspannt zurücklehnen.

So eine regulierungswütige Effizienz haben sich die Gründungsväter der Europäischen Union bestimmt nicht vorgestellt. Oder anders ausgedrückt: Der eine Eurokrat fördert den Tabakanbau, während ein anderer sich mit den „Aufklärungskampagnen über die Gefahren des Tabakkonsums“ beschäftigt. 

Wie sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Link (FDP): „Die Mittel des EU-Haushalts können in den europäischen Regionen Wachstumsimpulse geben und dadurch die Lebensverhältnisse in allen Teilen Europas weiter einander annähern.“ So schafft man sich auch seine zwangsverpflichteten Europäer.